Die barocke Literatur kann als ein einziges Wechselbad der Gefühle betrachtet werden. Liebe und Hass, Weltlust und Todessehnsucht bestimmen in dem von Krieg geprägtem unbeständigem Zeitalter gleichermaßen das Leben. Hin und her gerissen zwischen der Begierde das Leben vollends auszukosten, ausgedrückt durch den Leitsatz des carpe diem, und dem allgegenwärtigem Vergänglichkeitsbewusstsein, dem memento mori, versucht man sich in der Literatur ein Weg durch das Dickicht der Gefühle zu bahnen.

In den Texten von Andreas Gryphius, dem wichtigsten Vertreter der deutschen Lyrik, schmilzt den Protagonisten das Glück und der Erfolg wie Eis in den Händen und der Verfall all weltlichen Seins scheint unausweichlich. Ebenso wird alles Streben nach idealen Maximen in dem wichtigsten Roman der barocken Literatur des Hans Jakob Christoph von Grimmelshausens „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ (1669) in einer Welt der Exzesse und der Gier als wahnwitzig empfunden und verworfen.

Dennoch gibt es auch in der barocken Literatur ein Bedürfnis nach Ordnung und der Wille zur Form gewinnt durch Martin Opitz‘ „Buch von der Deutschen Poeterey“ (1624) an Wert. Die Poetik legt zunehmend Wert auf Metrik und Abgrenzungen literarischer Gattungen. Die Pflege der Sprache wird zum wichtigen Anliegen der Lyriker des 17. Jahrhunderts, was den Impuls zur Gründung von Sprachgesellschaften gibt. Doch auch hier schleicht sich die dem Menschen eigentümliche Lust an Maßlosigkeit ein, und eine Überladung von Stilmitteln wie Allegorien und Metaphern sind die Folge. Die Neigung zum Effekthaften wird der Mensch nun mal nicht los.

mi.arte

 

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