In der Zeit des Barocks wurden grössere und prunkvollere Feste veranstaltet als jemals zuvor. Zügellos und nach allen Regeln der Kunst wurden Festanlässe gefeiert. Überfluss und Schwelgerei, Erotik und Wollust: Die Feste im Barock waren üppig wuchernde Sinnesfreuden.

Feste und Veranstaltungen dienten als Bühnen der Macht für Europas Fürsten, auf denen sie ihre fürstliche Pracht präsentierten. Pracht und Üppigkeit prägten die Feste und die barocke Lebensart. Der Barock gilt als Zeitalter der Inszenierung, in dem der glänzende Schein über den Rang eines Monarchen entschied. Zugleich waren solche Veranstaltungen organisatorische Meisterleistungen.

Die ganze Nacht hindurch festete und tanzte die Party-Gesellschaft. Lange Nächte erforderten Stärkung, weswegen oft stundenlang getafelt wurde. Am Abend gab es Unterhaltungsprogramme wie Theaterstücke oder Opern. Feste wurden unter freiem Sternenhimmel und beim Schein hunderter Fackeln durchgeführt. Man traf sich in festlich geschmückten Barken zu Musik oder spazierte lustwandelnd in prächtigen Barockgärten. Maskeraden, Wein und Feuerwerkskörper gehörten zu einem guten Fest dazu.

Die Barockoper an sich war nichts anderes als ein höfisches Fest, das in eine dramaturgisch geschlossene Form gebracht wurde. Feste dieser Art wurden ausgiebig und lange zelebriert. Mindestens dreieinhalb Stunden dauerte eine Barockoper. Doch man sass nicht die ganze Zeit still, sondern unternahm währenddessen andere Festaktivitäten.

Tonangebend in der Kunst des Feierns war Versailles, der Hof des Sonnenkönigs. Dieser rauschende Festzug zog sich durch ganz Europa, von Italien und Spanien bis Frankreich, vom englischen Königshof und dem Kaiserhof in Wien bis zum Zarenhof in St. Petersburg. Bälle, Kostümfeste und prächtige Bankette auf denen ganze Schwärme von Fasanen und Rudel von Rehen verspeist wurden, fanden statt. Sowohl die Vergnügungssucht als auch die Verpflichtung zur Repräsentation motivierten das Feiern von höfischen Festen. Doch das ausgiebige Feiern unterlag der höfischen Etikette. Also doch nicht so zügellos wie erwartet.

mi.arte