Die meisten von uns werden sie kennen, die Portraits des Sonnenkönigs in Strümpfen und Halbschuhen mit hohen Absätzen – was würde solch ein Anblick heute doch für einen Aufschrei verursachen! Doch tatsächlich war die Männermode im 16. Jahrhundert am Hofe stark feminisiert. Die Geburtsstunde von Paris als Modemetropole war eingeläutet.

Der Begriff „Mode“ formte sich erstmals im Zeitalter des Barocks und bekam den Charakter eines eigenständigen kulturellen Phänomens. Durch ihre Schnelllebigkeit und Wechselhaftigkeit war sie Antrieb für die Luxusgüterproduktion und verhalf zu wirtschaftlichem Aufschwung. Die Leute der unteren Stände versuchten dem Erscheinungsbild der gehobeneren Klassen nachzueifern, wodurch sich diese immer neue „Trends“ einfallen lassen mussten, um sich zu behaupten.

Die zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges vorherrschende enge Soldatenmode und die spanische Tracht als Leitmotiv, wurden zunehmend durch weite Bekleidung abgelöst. Der Mann, der etwas auf sich hielt und „en vouge“ sein wollte, musste sich in Röcken mit Ärmelaufschlägen, Rheingrafenhosen (Hosen, die so weit waren, dass sie wie Röcke aussahen), Wams, Jabot, Allongeperücke und ein Dreispitz-Hut auf dem Kopf präsentieren. Mit Seidenstrümpfen und Schuhen mit Absätzen war das Bild komplett. Die Kragen der Herrenkleidung waren hochgeschlossen und wurden im Lauf der Jahrzehnte sowohl in der Damen- wie in der Herrenmode immer grösser, was die Halskrausen-ähnlichen Bilder evoziert.

Im Barock kamen auch die berühmten Perücken auf. Man(n) rasierte sich Glatzen, um den Tragekomfort der Perücken zu verbessern, und tat es mit der Haarlosigkeit Ludwig dem XIII. gleich, der als Erfinder der Perücken galt. Hintergrund hierfür war die Idee, dass lange Haare als Machtsymbol galten. Dumm nur, dass Ludwig schon in jungen Jahren seine Haarpracht verlor, weshalb er sich einen künstlichen Ersatz anfertigen liess, der so zum Standard für seine Nachkommen am Hof wurde und Ludwig XIV. die Allongeperücke 1673 zur Staatsperücke erklärte.

Perücken galten von nun an als Symbol der Aristokratie und wurden zum Verbindungsglied zwischen den europäischen Königshäusern. Bei den Damen verschwand die Halskrause, welche das Überbleibsel der Spätrenaissance war und an ihre Stelle trat nun der pompöse Ausschnitt des Dekolletés, welcher nun tiefer und viereckig wurde. Die Kleider bestanden aus einem auf der Rückseite gebauschten Oberkleid, dem manteau, worunter sich oftmals mehrere Unterröcke befanden.

Die Kleider waren aus edlen Stoffen und reich mit Spitze verziert. Auch der Pelz war sehr beliebt, obwohl dieser als gefundenes Fressen für Flöhe und Läuse betrachtet werden kann. Die spanische Hoftracht, welche um 1600 als modisches Vorbild galt, beinhaltete ein Korsett, welches die weibliche Brust flach drückte. 40 Jahre später sollte die konische Form nun nicht mehr flach drücken, sondern hoch heben. Das damalige „Mieder“ wurde meist von Stahlfedern gestützt und verlieh den Damen so die erwünschte Kurvatur.

Kindermode gab es im Barock noch nicht, da die Kindheit nicht als separate Lebensphase angesehen wurde und die Kleinen so wie Miniaturerwachsene hergerichtet wurden. Schlussendlich wurde die Bekleidung so gut wie nie gewasch en. Die damalige Bevölkerung hatte ein interessantes Verhältnis zur Hygiene. Sie war der Ansicht, dass Waschen ungesund sei und überpuderte, überschminkte und parfümierte den Schmutz einfach ins Vergessen. Die weisse Schminke und die plakative Verwendung von Rouge halfen bei diesem Vorhaben.

mi.arte

 

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