Die Pracht war im Barock en vogue. Dies galt auch für die Esskultur. Prunk und Pomp waren im Barock auf der Tafel angesagt. Das grosse Vorbild war Louis XIV., der Sonnenkönig, der an seinem Hofe in Versailles ganz neue Massstäbe gesetzt hatte. So auch bei „Tafelfreuden“. Doch die Speisen waren mehr Schein als Sein: denn so köstlich diese schienen, sie waren nach heutigem Geschmack keine Gaumenfreuden. Und gesunde und ausgewogene Ernährung sieht auch anders aus.

Wo du gegessen hast, bestimmte wer du warst. Der König in Versailles pflegte die Mahlzeiten in seinem Schlafgemach oder Vorzimmer einzunehmen. Dort wurde eigens eine Tafel aufgebaut mit einem Tafelaufsatz in Schiffsform, genannt „Nef“ in der Mitte. In diesem Aufsatz waren allerlei „exotische“ Gewürze wie Pfeffer, Salz, Zucker, Senf, Essig und Öl zu finden.

Bei festlichen Banketten wurde nichts dem Zufall überlassen. Essen, nur um sich zu sättigen, erschien als Barbarei. Deshalb war die gemeinsame Mahlzeit mit Gefolge und Gästen immer eine grosse Inszenierung, ein gelegentlich durch Jagd, Tanz, Turnier, Theater oder Musik unterbrochenes Festspiel. Trompeter durften nicht fehlen, der Ruhm des Gastgebers sollte in alle Himmelsrichtungen verkündet werden. Zeremonie und Etikette waren ausgeklügelt geregelt und die Sitzordnung dem Rang der Gäste unterworfen. Die Sitzordnung bestimmte auch die Reihenfolge der Bedienung. Den niedrigeren Rängen wurde überlassen was von der hohen Tafel übrig blieb.

Die mehrgängigen Menüs wurden meist kalt bis sie auf die Tafel kamen, da sich die Küche oft abseits des Hauptgebäudes befand, aus Angst, diese könnte Feuer fassen und einen Brand auslösen. Gespeist wurde von silbernen, vergoldeten oder goldenen Tellern, Porzellangeschirr wie wir es heute kennen ist erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts gebräuchlich.

Bei den Bauern sah das Essen weniger spektakulär aus und entgegen der höfischen Sitte kam bei diesen sehr selten Fleisch auf den Tisch. Sie ernährten sich von Mehlspeisen, wie Hirse- oder Gerstenbrei, Brot und Gemüse.

mi.arte